Themenwoche Migration

Montag, 12.08.

15:30 Ausstellungseröffnung “Eingeschlossen – Ausgeschlossen. Perspektiven geflüchteter Menschen auf die Warteschleife Asyl.”

Die Fotodokumentation „Eingeschlossen:Ausgeschlossen – Perspektiven geflüchteter Menschen auf die Warteschleife Asyl“ zeigt Menschen in Dresden und Umgebung, die in Asylsuchendenheimen leben müssen. Die Ausstellung gibt den Lebensgeschichten Asylsuchender in dem Moment ihres Stillstandes eine Bühne und lässt sie Gehör finden. Sie lädt ein, die eigene Sicht zu wechseln, geflüchteten Menschen zu begegnen und ihre Perspektive kennenzulernen. Dabei stellt die Ausstellung folgende Frage: Wie gestalten Menschen ihr Leben, die aus ihrem Land fliehen mussten und erwarteten, in Deutschland als Mensch behandelt zu werden, die schließlich jedoch unter oftmals demütigenden Bedingungen und ausgegrenzt leben müssen?

Der Moment, den die Ausstellung auffängt, ist der des Wartens – auf Asyl, auf Perspektiven, auf ein selbstbestimmtes Leben in Sicherheit. Dieses Warten verbringen die Menschen in Gemeinschaftsunterkünften. Die Mauern dieser Heime bilden eine Grenze, die die Menschen isoliert, ausschließt und stigmatisiert. Diese Grenze steht dabei für das gesamte Asylsystem, das den Menschen ihre Handlungsmöglichkeiten nimmt. Verharrend, ausgebremst, wartend auf das, was kommt, aber zugleich auch hoffend auf eine bessere Zukunft, versuchen sie ihr Leben in Grenzen zu gestalten.

Die Ausstellung wirkt wie ein Guckloch, indem das Zusammenspiel aus Fotografien und Texten Einblick in die Lebenssituation Asylsuchender in Dresden und Umgebung gibt. Die Texte entstanden aus leitfadengestützten Interviews mit 14 Asylsuchenden, die wir in Zusammenarbeit mit dolmetschenden Personen geführt haben. Das darin erzählte Leben haben wir möglichst nah an der Sprache der Befragten in Texte umgewandelt, um sie in diesen unmittelbar sprechen zu lassen. Die Fotografien repräsentieren den Raum des Wartens durch die Darstellung der Personen in ihren Unterkünften.

Diesen 14 Personen sprechen wir unseren größten Dank aus – für ihren Mut und ihre Offenheit, uns ihre Lebensgeschichte anzuvertrauen. Wir wünschen Ihnen ganz viel Kraft für die kommende Zeit und die Möglichkeit, als handelnde Subjekte ihr Leben wieder in die Hand zu nehmen und zu gestalten.

19:30 Einstieg in das Thema Flucht mit einem Film
Movie … as an introduction to the topic “forced migration”

Dienstag, 13.8.

14:00 Einführungsvortrag zu Geschichte/Thema Migration(en)

Introductional lecture “Historie(s) of migration(s)”

Migration ist bekannt als der Wechsel des Wohnortes. Doch hinter diesem Begriff stecken zunächst eine mehr als 100.000 Jahre alte Geschichte, aber auch verschiedenen Facetten der Migration, die Entstehung von Grenzen und Nationalstaaten, welche die Zu- und Abwanderung so gut wie möglich kontrollieren und limitieren wollen. Zum einen wurden in der Geschichte Mauern gegen die Ausreise und zum anderen gegen die Einreise erbaut. Als Themen werden die erwünschte Migration (Fachkräftebedarf, Zuzug von Gläubigen einer bestimmten Religion oder Gruppe), Migrationsgründe (Anziehungs- und Druck-Faktoren), unfreiwillige Migration (Sklaverei), die Erfindung der „illegalen“ Migration und die Konstruktion einer (zukünftigen) freien Migration besprochen. Es soll in diesem Zusammenhang dargestellt werden, welchen Einfluss Migrant_innen auf die Herkunftsländer, Transitländer und Zielländer hatten und haben. Aus den verschiedenen Epochen der Menschheitsgeschichte und mit Beispielen aus unterschiedlichen Regionen der Erde gibt der Vortrag einen Einstieg in die Thematik „Migration“.

Migration is known as the change of residence. But this term contains a more than 100.000 years old history, many different facets of migration and the formation of borders and states. Those borders were built to control and limit immigration and emigration. Approached topics will be required migration (a lack of qualified employees, immigration by adherents of a specific religion or group), reasons for migration (attraction or political pressure), forced migration (slavery), the fiction of ‘illegal’ border crossing and the construction of a free migration in the future. In this context we want to portray the past and current clout of immigrants on their country of origin, transit countries and destination.
This discourse will give you an access into the theme „migration“ by use of different ages of human history and examples from several geographic regions.

19:30: Film “Residenzpflicht” – Thema Asylpolitik in Deutschland (im Anschluss mit Regisseurin Denise García Bergt und Stefan NAMF Dresden (Diskussionsveranstaltung) Movie “Residenzpflicht” & subsequent discussion with producer Denise García Bergt and Stefan Kollasch (Netzwerk Asyl Migration Flucht Dresden)

residenzpflich

Seit 20 Jahren kämpfen Flüchtlinge gegen die Residenzpflicht und damit gegen die systematische Ausgrenzungspolitik des deutschen Staates. Der Dokumentarfilm „Residenzpflicht“ begleitet einige Flüchtlinge bei dieser Auseinandersetzung und ist somit eine Analyse aus Sicht der Flüchtlinge, die gezwungen sind, in einer fast hermetischen Welt zu leben. Es ist mehr als fraglich, ob diese Lebensbedingungen mit den Menschenrechten vereinbar sind. Die in Zusammenarbeit mit mehreren Flüchtlingsselbstorganisationen, Medien, JuristInnen, AkademikerInnen und KünsterInnen entstandene Dokumentation soll dazu beitragen, in der deutschen Öffentlichkeit Bewusstsein zu schaffen über diesen Teil der deutschen Asyl- und Flüchtlingspolitik und eine Debatte über das Bleiberecht in der öffentlichen und politischen Wahrnehmung initiieren.

If you are not a criminal you are supposed to move freely unless you are an asylum seeker in Germany, where, since 1982, there is the Residenzpflicht. It states that as long as the requirements for asylum are being processed, asylum seekers won’t be allowed to move out of the district area where they are living without permission of the immigration office (Ausländerbehörde). The film shows the struggle of very political activists, who refuse to be seen on treated as victims, fighting for their right of freedom of movement,  against the Residenzpflicht, Frontex, and the general racist, capitalist, hierarchical system. more informations:  www.residenzpflichtdoc.com

Mittwoch, 14.8. Vernetzungstag für anwesende Initiativen mit folgenden Angeboten:
“Ehrenamtlicher Deutschunterricht im Rahmen der Flüchtlingsarbeit” durch Anke | Workshop/Vortrag Thema Asylpolitik in Deutschland (Stefan Kollasch, Netzwerk Asyl Migration Flucht, nur wenn der Wunsch danach besteht)

Wir wollen eine Plattform für geflüchtete Menschen, UnterstützerInnen und Initiativen anbieten, einander kennenzulernen, sich auszutauschen und besser zu vernetzen. Wir wünschen uns eine offene Runde, in der alle gewünschten Themen und Ideen Platz finden können.

Networking space for initiatives and short workshop “Voluntary German classes within the scope of working with asylum seekers and refugees” by Anke | Workshop/ lecture: Asylum politics in Germany (if wanted)

14:00 Kurzworkshop: „Ehrenamtlicher Deutschunterricht im Rahmen der Flüchtlingsarbeit”

Ziel des Readers ist die Darstellung einer Bandbreite an möglichen Aktivitäten in und um den Unterricht herum. Er soll “Lehrer*innen” inspirieren, eine entspannte Unterrichtssituation zu schaffen und offen auf die Bedürfnisse aller Beteiligten einzugehen. Neben einer einfachen Einführung in die Methodik und Didaktik des Sprachunterrichts mit Hauptaugenmerk auf dem Selbstgesteuerten, Autonomen Lernen, werden vielfältig verwendbare Materialien zur Verfügung gestellt.

“Workshop: Voluntary German classes within the scope of working with asylum seekers and refugees”
The aim of the reader to be introduced is to present a manifold scope of possible activities to organize German classes. It should inspire “teachers” to create an unstressed class situation and to respond openly to the needs of all involved people. There will be a basic introduction to the methodology and didactics of language teaching, especially focusing a self-directed, autonomous learning approach. Furthermore the reader will provide versatilely adaptable materials.

anschliessend:

“Asylrecht und Flüchtlingspolitik in Deutschland:
– Von Ankunft bis Abschiebung – Ein Überblick über Theorie und Praxis -”

20 Jahre sind vergangen, seitdem der Bundestag das Grundrecht auf Asyl bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet hat. Heute werden im Durchschnitt 1,5% aller Asylsuchende als politische Flüchtlinge anerkannt. Ausführlich geprüft wird aber nur, wenn die Menschen den Weg ins ordentliche Asylverfahren überhaupt schaffen – und nicht schon am Flughafen, Bahnhof oder an der Autobahn hängen bleiben und in Schnellverfahren inhaftiert oder ausgewiesen werden. Im gesellschaftlichen Diskurs sind Flüchtlinge und Asylsuchende eher Gefahr als schutzbedürftige Menschen. Individueller und struktureller Rassismus und Rechtlosigkeit sind gängige Praxis. Im Workshop wollen wir uns das grundlegende System von Ankunft, Aufenthalt und Abschiebung anschauen und dabei immer wieder einen Blick auf die politische Praxis werfen. Veranstaltet vom Netzwerk Asyl Migration Flucht aus Dresden

“Workshop: Voluntary German classes within the scope of working with asylum seekers and refugees”
The aim of the reader to be introduced is to present a manifold scope of possible activities to organize German classes. It should inspire “teachers” to create an unstressed class situation and to respond openly to the needs of all involved people. There will be a basic introduction to the methodology and didactics of language teaching, especially focusing a self-directed, autonomous learning approach. Furthermore the reader will provide versatilely adaptable materials.

19:30: Film „The truth lies in Rostock“ (Pogrom in Rostock-Lichtenhagen 1992) / Movie “The truth lies in Rostock” (documentation about pogrom in Rostock-Lichtenhagen in 1992)

rostock

August 1992, Rostock – Lichtenhagen. Die Polizei schaut zu, als Faschisten die Zentrale Aufnahmestelle für Flüchtlinge (ZAST) und ein Wohnheim von vietnamesischen Vertragsarbeitern mit Molotowcocktails bombardieren. Eine Montage von Videomaterial, gedreht aus den angegriffenen Häusern heraus, Interviews mit Anti-FaschistInnen, den vietnamesischen VertragsarbeiterInnen, der Polizei, mit Bürokraten, Neonazis und Anwohnern.
Eine Dokumentation über das heimliche Einverständnis der Politik und über die verbreitete Angst.

Rostock-Lichtenhagen, August 1992. What began with a small group of youths hurling stones at a refugee hostel quickly escalated into the worst mob attack ever seen against foreigners in post-war Germany. Through careful study of amateur footage from that day, as well as interviews taken by those who were present at the riot – active participants, locals, refugees, anti-fascists and police – The Truth Lies in Rostock attempts to understand how and why the violence occurred..

Donnerstag 15.8.

14:00 Thema 20 Jahre Asylkompromiss: Workshop durch „Rassismus tötet-Kampagne“ / Workshop “20 years of asylum compromise” (limitation of asylum law in Germany in 1992) with a member of the “Rassismus tötet”-campaign

19:30: Film white charity / Movie „white charity

Werbeplakate von entwicklungspolitischen Organisationen wie ‚Brot für die Welt‘, ‚Welthungerhilfe‘, ‚Kindernothilfe‘ oder ‚Care‘ prägen das Bild auf Straßen, Plätzen, in Bahnhöfen und U-Bahnen in Deutschland. Sie haben einen großen Einfluss darauf, wie in Deutschland Schwarze und weiße Identitäten konstruiert werden. Der Dokumentarfilm analysiert die Spendenplakate aus einer rassismuskritischen, postkolonialen Perspektive. ‚white charity‘ ist eine exemplarische Auseinandersetzung mit Rassismus in Bildern, die weit über den entwicklungspolitischen Horizont von Bedeutung ist und unterstützt einen schärferen Analyseblick auf Bilder in kommerzieller Werbung, Print und TV. Ein Film von Carolin Philipp und Timo Kiesel

whitecharity

Billboards of charitable organisations such as ‚Brot für die Welt‘, ‚Welthungerhilfe‘, ‚Kindernothilfe‘ or ‚Care‘ are omnipresent in streets, on squares, in train and metrostations in Germany. They have a large impact on how Black and white identities in Germany are constructed. The documentary analyses the charity aid posters from a postcolonial perspective. ‚white charity‘ is an exemplary analysis of racism in images which has relevance far beyond the horizon of development. It supports a sharper analysis of images in commercials, print and TV.    A film by Carolin Philipp and Timo Kiesel

Freitag 16.8.

Workshop “Willkommen in Zhengistan, Äthiopier_innen! Eine Einführung in die postkolonialen Studien” mit PD Dr. Aram Ziai /Workshop “Welcome to Zhengistan, Ethiopians! – An introduction in postcolonial studies” with PD Dr. Aram Ziai

In diesem Workshop soll geklärt werden, was unter postkolonialen Studien zu verstehen ist, und warum sie auch Jahrzehnte nach Ende der kolonialen Ära wichtig sind. Einige ihrer Theoretiker_innen und Ansätze werden vorgestellt. Außerdem beschäftigen wir uns mit den Äthiopier_innen in Zhengistan, und wer von der Gegend noch nie gehört hat, ist herzlich willkommen!

In the context of this workshop we want to clarify what postcolonial studies are about and why they are so important, even decades after the end of the colonial era. Some of the theoreticians and approaches will be introduced. Furthermore, the workshop will deal with the Ethiopians in Zhengistan, and who had never heard about this region, is very welcome!

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